Aktuelles aus der Lebensmittelwelt

Alles rund oder was?

Im Sommer 2017 wurde in Hühnereiern aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland Fipronil nachgewiesen, obwohl die Verwendung dieses Insektizids bei Tieren, die der Lebensmittelerzeugung dienen, verboten ist. Kurz darauf wurde der Stoff auch in der Schweiz und in Schweden in importierten Eiern nachgewiesen. Bis zum 5. August 2017 wurden in Deutschland in 14 Bundesländern Fipronil-belastete Eier bzw. entsprechende Produkte gefunden. Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd nahmen am 4. August alle Eier aus ihrem Sortiment.

Fipronil ist nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht krebserregend und erbgutschädigend. Es kann beim Menschen neurotoxisch wirken – heißt in höheren Dosen führt es zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, bis hin zu Lähmungserscheinungen.

Am 11. August 2017 gab die Europäische Kommission bekannt, dass die mit Fipronil belasteten Eier weiterverbreitet waren, als zunächst angenommen. Betroffen waren zu diesem Zeitpunkt 15 EU-Mitgliedsstaaten, die Schweiz und Hongkong. Allein nach Dänemark waren 20 Tonnen belastete Eier geliefert worden. Die Belastung mit dem Insektengift war nach Angaben der zuständigen Behörden nicht gesundheitsschädlich, aber zu hoch für den Verkauf. Belastete Eier gelangten außerdem unter anderem nach Frankreich, Österreich, Luxemburg und in das Vereinigte Königreich. Einen Tag später, am 12. August 2017, wurden auch in Spanien Eier entdeckt, die mit Fipronil belastet waren.

Die Situation in Österreich:

Bislang liegen die Ergebnisse für 239 Produkte (Frischeier, eihaltige Lebensmittel aus dem Einzelhandel sowie Eiprodukte wie Vollei, Flüssigei, Eiweißpulver, Eidotterpulver, Konditoreiweiß, gekochte und geschälte Eier etc.) aus dem Großhandel vor.

Rund 79 Prozent der Proben waren frei von Fipronil – d.h. im Umkehrschluss, dass man in 21% fündig wurde. Alle untersuchten Produkte aus dem österreichischen Einzelhandel sind bisher frei von Fipronil, genau wie ein Großteil der Produkte aus dem Großhandel.

Bei den fündig gewordenen Proben aus dem Großhandel handelt es sich um Eiprodukte für den Großhandel wie Flüssigei, Eiweißpulver, Eigelb, Vollei, gekochte und geschälte Eier usw. Die Produkte stammen aus Deutschland, Niederlanden, Dänemark und Belgien.

Laut europäischer gesetzlicher Regelung ist ein Rückstandhöchstgehalt von 0,005 mg/kg Fipronil erlaubt. Diesen Höchstwert haben insgesamt 18 Proben überschritten. Diese Produkte dürfen somit nicht in Verkehr gebracht werden. Über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF) sollten Ergebnisse von Behördenkontrollen in EU-Ländern und Vertriebslisten möglichst rasch den Lebensmittelbehörden anderer EU-Länder zugänglich gemacht werden. Die zuständigen Landesbehörden in Österreich führten umfassende Nachforschungen durch.

Wie kann das Vertrauen von LM-Produzenten und Konsumenten wiederhergestellt werden? Verleiten die lang gewordenen Lieferketten quer über Europa und die Kontinente zu illegalen Machenschaften?

Ein (zugegebener-weise hausbackener) Tipp, der nun schon seit einiger Zeit zu hören ist: Beziehen Sie Ihre Produkte wieder regional und von Lieferanten, die Sie kennen, die eine längerfristige Zusammenarbeit suchen – das mag teurer und aufwändiger sein, als den Großhandel zu nutzen, kann aber wieder mehr Bewusstsein schaffen, auch bei Verbrauchern. Warum teilen Sie Ihren Kunden nicht mit, woher Ihre Zutaten stammen? Oder bieten Ihnen eine Besuchs-Tour zu Ihren Lieferanten an? Letztens schaffte das sogar eine große LM –Kette mit einem Ausflug in die obersteirischen Berge.

Mehr Informationen über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF) finden sie auf Englisch hier. Welche Aktionen die EU bezüglich der Nutzung von Fipronil macht können Sie hier nachlesen. Auch in Österreich werden nach wie vor Proben von Eiern genommen und auf Fipronil getestet. Die Ergebnisse werden von der AGES laufend aktualisiert.

Lesen Sie mehr :

https://www.ages.at/service/service-presse/pressemeldungen/aktuelles-zu-fipronil-eiern

http://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20170828IPR82521/fipronil-in-eggs-eu-needs-faster-information-exchange

Genuss mit Wurzeln

Im Zuge des goldenen Herbstes, der über Österreich hereingebrochen ist, möchte ich eine Organisation vorstellen, welche mir wegen ihrer Bemühungen aus dem Herzen spricht – Die Slow Food Bewegung!

Diese ist nicht wirklich das Gegenteil von Fastfood, sondern eher eine Bewegung, die sich dem verantwortungsvollen Genießen widmet. Als Protest-Aktion gegen die Eröffnung eines Fastfood-Restaurants in Rom 1986, hat Carlo Petrini eine riesige Tafel mit traditionellem lokalen italienischen Essen gedeckt. Daraus entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten eine internationale Bewegung. Es finden sich sowohl National- als auch Lokalgruppen, wie Slow Food Wien oder Slow Food Austria.

Carlo Petrini, ist überzeugt davon, dass Lebensmittel gut, sauber und fair sein sollen. Das heißt, sie sollen herausragend schmecken, ökologisch und nachhaltig hergestellt werden und den Produzentinnen und Produzenten einen fairen Preis einbringen. 1989 war daraus die Slow Food Bewegung entstanden und heute ist Slow Food in 130 Ländern mit rund 100.000 Mitgliedern vertreten.

Die Kernaussage von Slow Food ist der Glaube an gute, saubere und fair produzierte Lebensmittel. Der herausragende Geschmack, und die nachhaltige wie ökologische Herstellung, welche auch den Produzenten einen fairen Preis einbringen stehen im Mittelpunkt der Bewegung. Für mich stellen diese Prinzipien gleichzeitig einen wichtige Voraussetzung für Lebensmittelsicherheit. Denn nur wenn sich Produzenten und ihre Mitarbeiter fair entlohnt und behandelt fühlen, sowie ihre eigene Arbeit für die Gesellschaft wert schätzen und dafür einstehen, können Risiken stark minimiert werden und an Verbesserungen gearbeitet werden.

Um gezielt regional agieren zu können, besteht Slow Food aus vielen kleinen, regionalen Verbänden, Convivien genannt, die sich unter dem Hauptgedanken von Slow Food unabhängig für Ihre Region einsetzen und ehrenamtlich verschiedenste Aktionen und Veranstaltungen organisieren. In Österreich werden die Convivien als eigenständige, gemeinnützige Vereine geführt. Slow Food Wien, Slow Food Styria, Slow Food Kärnten, Slow Food Linz sind beispielsweise österreichische Convivien.

Die kleineren Organisationen in den Regionen dienen der gezielteren Arbeit und heißen Convivien. Ehrenamtlich wird hier informiert, verkostet, Geschmacks-geschult und an anderen Veranstaltungen gearbeitet. Erwachsene und Kinder sollen ein Bewusstsein für Qualität, Aroma, Duft und Geschmack von Lebensmitteln entwickeln.

Gleichzeitig werden Handwerk, kleine Betriebe und alternative Gastronomie-Konzepte gefördert. Regionen sind auch immer kulinarisch geprägt, daher trägt Slow Food auch etwas zur kulinarischen Identität bei. Vielfalt bei Saatgut, traditionelle und regionale Abbaumethoden sowie bewusster Genuss sind weitere Themenfelder mit der sich Slow Food beschäftigt.

Durch Informationsarbeit, Verkostungen, Geschmacksschulungen, Veranstaltungen und vieles mehr versuchen wir, bei Erwachsenen und Kindern ein Bewusstsein für Qualität, Aroma, Duft und Geschmack von Lebensmitteln zu schaffen. Slow Food fördert das Lebensmittelhandwerk, kleine Betriebe, die bodenständige Gastronomie und die Hersteller von naturnahen, regionaltypischen Lebensmitteln. Regionen haben eine „kulinarische Identität“ die ebenso typisch ist, wie die lokale Sprache, Kultur oder Architektur. Slow Food will den Saatgutverlust verhindern, sowie regionale Anbaumethoden, Produkte und Anbieter fördern. Jeder Mensch hat das Recht auf Genuss und auf den unendlich vielfältigen Geschmack von lokalen Spezialitäten. Es ist eine Gegenströmung zum rapide um sich greifenden „Essen im Nebenbei“.

Aber auch internationale Zusammenarbeit der regionalen Gruppen ist wichtig. So treffen sich jedes Jahr Aktivsten, Freiwillige, Konsumenten und Produzenten zum Kongress „Terra Madre“ in Turin, der Geburtsstadt von Slow Food. Das Ziel: eine Gegenbewegung von der ständigen Vergrößerung und Zusammenschließung von Mega-Konzernen – zuletzt gesehen bei der Übernahme von Monsanto durch Bayer.

Lesen Sie mehr: http://slowfood.wien/sfw/was-ist-slow-food

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute und genussreiche Herbstzeit! –

Ihre Helga Wachter-Dorfmeister

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